Regionale Wirtschaftsgemeinschaften

Ein praktisches Konzept für ein zukunftsfähiges Wirtschaften, das gelebt werden will

Bezahlung der Mitarbeit in der Teilhabergemeinschaft

Mittel- und langfristige Bezahlung

Die Unternehmen, die ganz oder teilweise der Teilhabergemeinschaft gehören, sowie eigene Geschäftsbereiche soweit vorhanden, sollen im Schnitt einen Gewinn erwirtschaften, der wiederum ganz oder teilweise zur Deckung der Kosten der Teilhabergemeinschaft eingesetzt wird. Diese Kostendeckung schließt die Gehälter der Mitarbeiter ein, die auf ganz normaler Basis (gemäß nationalem Recht und Brauch) beschäftigt werden können.

Handhabung der Anfangsphase

Aufgrund ihrer Natur – in klassischer Geschäftsterminologie – als eine Holding oder Beteiligungs­gesellschaft, wird die Teilhabergemeinschaft erst im Laufe der Zeit über nennenswerte Einnahmen verfügen, als die Gewinne ihrer Beteiligungen ihr nach und nach zur Verfügung stehen. Wenn sie nicht auf Pump leben will, kann sie erst dann ihre Mitarbeiter konventionell bezahlen.

Während eine gewisse Menge an freiwillige, unbezahlte Arbeit bei all den Aufgaben, die zur Gründung und Führung einer ReWiG anstehen, einfach gebraucht wird, wäre es weder fair noch realistisch zu erwarten dass jemand für bis zu zwei oder drei Jahren ehrenamtlich die täglich anfallenden Aufgaben wahrnimmt. Die Teilhabergemeinschaft könnte über begrenzte Mittel in Form von Aufnahmegebühren und Mitgliedsbeiträgen verfügen (und auch über das Geld vom Verkauf von Genossenschaftsanteilen, falls die ReWiG als Genossenschaft) gegründet wird); aber solche Mittel, wenn in mehr als trivialer Höhe, sollten investiert werden.

Die geschilderte Situation trifft bei der Marktgemeinschaft, die über eigenen Gebühren, verfügt, nicht zu, da die Gebührenhöhe so festgesetzt werden kann, dass sie alsbald kostendeckend läuft. Es wäre jedoch nicht fair, die Mitarbeiter der Marktgemeinschaft zu bezahlen, während die der Teilhabergemeinschaft nichts bekämen; eine gerechte Lösung wird gebraucht.

Was steht uns denn zur Verfügung, die zur "Bezahlung" aller Mitarbeiter genutzt werden könnte?

  1. Die jährlichen ReWiG-Mitgliederbeiträge (üblicherweise in nationaler Währung);
  2. Die verschiedenen Gebühren der Marktgemeinschaft, wovon manche in Staatswährung sein werden, die meisten jedoch in Realos;
  3. Ansprüche auf künftigen Gewinne der Teilhabergemeinschaft – abhängig davon, dass es welche zum Verteilen gibt.

1) Mitgliederbeiträge werden normalerweise kaum die Auslagen der Teilhabergemeinschaft decken, selbst wenn die ReWiG eine kostenneutrale Initiallösung für Büroraum findet; kosten wie Rechtsberatung, Buchführung, Schreibwaren, Telefon, DSL, PCs, Webhosting, Reisekosten usw. müssen dennoch bezahlt werden.

2) Nehmen wir an, die Marktgemeinschaft kann ihre Miet- und Materialkosten aus den eigenen Beiträgen und Gebühren bestreiten, so bleiben realistisch geschätzt nur ein Teil der Realo-Gebühren für die Bezahlung von Arbeit zur Verfügung. Diese würden zur Abgeltung aller Arbeit, die zum Betreiben einer ReWiG anfällt, überhaupt nicht reichen – bzw. würden die Gebühren so hoch angesetzt dass sie reichen, so würde dies eine Quersubventionierung der Teilhaber­gemein­schaft durch die Marktgemeinschaft darstellen.

3) Übrig bleibt nur die Idee von Ansprüchen auf künftige Gewinne – selbstredend nur in dem Maß einlösbar, wie es verteilbare Gewinne überhaupt gibt. Wir haben ein System konzipiert wobei nach abgesprochenen Kriterien Punkte für eingebrachte Arbeit gesammelt werden können. Solche Punkte könnten dann weitere Nutzen finden als nur für künftige Ansprüche, und werden somit durchaus attraktiv.

Aktivitätspunkte-System

Gemäß einer Einigung unter allen Aktiven der keimenden ReWiG wird geleistete Arbeit von der LeistungserbringerIn notiert (z.B. in Stunden), und einer entsprechend zuständigen Person ein­gereicht. Diese Person wird sie ggf. (je nach Absprache) prüfen, und in ein Punkte-Verwaltungs­system übertragen. Der nominelle Wert eines Aktivitätspunktes sollte einem Realo gleich sein, um die Buchhaltung zu vereinfachen. Die Punkte könnten dann auf vielfältiger Weise zum Einsatz kommen:

  • Als direkte Bezahlung für bestimmte, approbierte Angebote innerhalb der Marktgemeinschaft (anstatt Realos). Hierbei könnte es sich um Kurse für persönliches Wachstum und zur Förderung der zwischenmenchlichen Fähigkeiten handeln. Wir haben mehrfach erwähnt dass wir diese Aspekte als zum Kern dieses Konzeptes gehörend betrachten, sowohl aus ethischer Sicht als auch für soziale Nachhaltigkeit; diese Option ermöglicht uns, sie explizit zu fördern.
  • Als Hinterlegung für einen Realo-Kreditrahmen: Eine bestimmte Anzahl Punkte würden deponiert (auf ein persönliches Sonderkonto übertragen), und den Realo-Kreditrahmen dieser Person um den gleichen Betrag erhöht (oder z.B. um 50% oder 80% des Betrages). Diese Vorgehensweise wäre mit der Konzeption des Realos als eine vertrauenswürdige Währung konform, da die geleistete Arbeit den Wert der ReWiG erhöht.
  • Wenn Überschüsse zur Verfügung stehen, können sie ganz oder teilweise für die optionale Auszahlung (Umwandlung) von Aktivitätspunkten in Staatswährung und / oder Realos angeboten werden. Dabei sollte die Inanspruchnahme den Besitzern der Punkte als individuelle Entscheidung überlassen werden.
  • In einer späteren Phase, als die ReWiG größer ist, als eine Möglichkeit der Prioritisierung von Ansprüchen auf Resourcen wie Mietwohnungen, die der ReWiG gehören.
  • Noch später als ein Anspruch auf Versorgung im Alter.

Ohne Zweifel können weitere Ideen für den kreativen Einsatz von Aktivitätspunkten im Laufe der Zeit ersonnen und umgesetzt werden. Manche Verhältnisse in den obigen Vorschlägen – allen voran wie viele Punkte pro Arbeitsstunde zu vergeben – sollten durch eine Mitglieder­versamm­lung der Teilhabergemeinschaft beschlossen werden.

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