Regionale Wirtschaftsgemeinschaften

Ein praktisches Konzept für ein zukunftsfähiges Wirtschaften, das gelebt werden will

Verrechnungskonten und Inserate

Verrechnungskonto

Es gibt private und geschäftliche Verrechnungskonten. Jede natürliche Person kann ein Privat­konto erhalten. Unternehmen sowie Teilnehmerinnen, die professionelle – steuerpflichtige – Leistungen anbieten, erhalten ein Geschäftskonto. Freiberufler können also sowohl ein privates als auch ein geschäftliches Konto führen.

Unternehmen und natürliche Personen können untereinander Waren und Dienstleistungen in Realos und/oder in Euros verrechnen. Die Mitarbeiterinnen können ihre Arbeitsleistung eben­falls in Euros und/oder Realos vergütet bekommen. Daneben können Leistungen der Nachbar­schafts­hilfe über die Privatkonten abgerechnet werden.

Das Verrechnungskonto wird in Realos geführt und startet mit dem Anfangskontostand Null. Es wird für alle Teilnehmerinnen sichtbar als privat oder geschäftlich gekennzeichnet.

Private Verrechnungskonten, für die mindestens ein Anteilsschein der Teilhabergemeinschaft hinterlegt ist, nehmen an der Ausschüttung der Überschüsse der Teilhabergemeinschaft teil, sofern eine solche beschlossen wird.

Die Realo-Konten der Tauschgemeinschaft werden mit Hilfe einer Inserats- und Verrechnungs­software online über das Internet verwaltet. Die Vergütungen der Tauschtransaktionen werden von den Teilnehmerinnen selbst verbucht. Daher ist der Zugang zu einem Internet-fähigen Computer Voraussetzung.

Ein Verrechnungskonto kann aus wichtigem Grund (zum Beispiel eine längere Krankheit) auf Antrag für eine begrenzte Zeit stillgelegt werden. In dieser Zeit wird keine Umlaufsicherungs­gebühr fällig. Die zugehörigen Inserate werden nicht weiter veröffentlicht.

Kreditrahmen

Die Inhaberin eines Verrechnungskontos kann für ihr Konto einen Kreditrahmen einrichten, indem sie als Sicherheit Anteilsscheine der Teilhabergemeinschaft hinterlegt. Für jeden hinterlegten Anteilsschein wird ihr der Kreditrahmen um 800 Realos erhöht. Anteilsscheine, die erst angezahlt sind, können nicht hinterlegt werden.

Die Differenz zwischen den als Kreditrahmen gewährten 800 Realos und dem Gegenwert eines Anteilsscheins von 1000 Realos dient als Sicherheit für die möglicherweise auflaufende Umlaufsicherungsgebühr. Bei vollständiger Ausnutzung des Kreditrahmens reicht dieser Puffer für die Deckung der Umlaufsicherungs­gebühr für 5½ Jahre.

Es ist möglich, für eine andere Teilnehmerin zu bürgen. Die bürgende Teilnehmerin hinterlegt in diesem Fall eigene Anteilsscheine für das Ver­rechnungskonto der anderen Teilnehmerin. Über die Bürgschaft entscheiden einzig die beiden betroffenen Teilnehmerinnen.

Die Hinterlegung der Anteilsscheine für das Verrechnungskonto wird im Anteilsscheinverzeichnis der Teilhabergemeinschaft vermerkt. Für die Dauer der Hinterlegung sind die Anteilsscheine für einen Verkauf gesperrt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Tauschgemeinschaften werden hier zu Beginn keine Anfangs­guthaben verschenkt und kein Kreditrahmen ohne Hinterlegung einer Sicherheit eingeräumt. Jede Tauschteilnehmerin bringt zuerst etwas ein (Anteils­schein, Bürgschaft einer anderen Teilnehmerin oder eigene Leistung), ehe sie eine Leistung erwerben kann. Diese Regelung schafft Vertrauen in die Tauschwährung.

Inserate

Jede Teilnehmerin der Tauschgemeinschaft kann Inserate für Angebote und Gesuche aufgeben, die innerhalb der Gemeinschaft im Internet veröffentlicht werden. Inserate sind an ein Ver­rechnungskonto gebunden. Durch die Kennzeichnung des Kontos als privat bzw. geschäftlich ist ersichtlich, ob es sich um ein professionelles Angebot handelt, für das auch eine Rechnung vom Anbieter auszustellen ist oder ob es sich um private Nachbarschaftshilfe ohne Gewährleistungs­anspruch handelt.

Ausgleichskonto – Einziehung hinterlegter Anteilsscheine

Soll ein im Minus stehenden Verrechnungskonto aufgelöst werden, so soll die erste Option des Kontoeigners (bzw. des Vormunds / der Erben) den Kauf der fehlenden Realos mit Staatswährung sein. Ist dies nicht möglich, und das Konto durch hinterlegte Anteilsscheine abgesichert wurde, dann müssen Anteilsscheine eingezogen werden. Um das Sollsaldo genau auf Null zu bringen muss es möglich sein, auch den Bruchteil eines Anteilsscheins einzu­ziehen.

Hierfür führt die Teilhabergemeinschaft ein Ausgleichskonto, das von der Umlaufsicherung ausge­nommen ist. Über dieses Ausgleichskonto werden die (bruchteilsmäßigen) Ankäufe von Anteils­scheinen getätigt; der Betrag wird dem aufzulösenden Konto gutgeschrieben, das dann geschlossen werden kann.

Die Vergütung erfolgt in Realos – obgleich Anteilsscheine ursprunglich für Staatswährung verkauft werden – und das Ausgleichskonto geht dementsprechend (tiefer) ins Minus. Dem Sollstand des Ausgleichskontos steht der erworbene Eigentum an Anteilsscheinen gegenüber. Sollte es der Teilhabergemeinschaft aus rechtlichen Gründen nicht möglich sein, Anteile an sich selbst zu besitzen, so kann das Ausgleichskonto einem Treuhänder gehören. Das Ausgleichskonto kann daher je nachdem als Eigenbesitzkonto oder als Treuhänderkonto bezeichnet werden.

Es steht der Teilhabergemeinschaft (bzw. dem Treuhänder) frei, so erworbene Anteilsscheine ganz oder in Bruchteilen für Realos wieder zu verkaufen, und auf diesem alternativen Weg den Teil­nehmern der Marktgemeinschaft den Einstieg in die Teilhabergemeinschaft zu ermöglichen.

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