Regionale Wirtschaftsgemeinschaften

Ein praktisches Konzept für ein zukunftsfähiges Wirtschaften, das gelebt werden will

Verrechnungseinheit

Aufbauend auf den Anteilsscheinen der Teilhabergemeinschaft gibt die Tauschgemeinschaft die Komplementärwährung Realo als sogenanntes Vollgeld aus. Das heißt, der Realo ist vollständig durch nachhaltig bewirtschaftete Sachwerte gedeckt.

Der Wert eines Realos kann jederzeit in Euros (ebenso der Wert des Euros in Realos) ausgedrückt werden durch den Bezug auf den zu Grunde liegenden Sachwert:

1000 Realos = 1 Anteilsschein = aktueller Wert eines Anteilsscheins in Euros

Wert des Realos
Wert des Realos

Der Realo ist gleichzeitig ein Jetzt-Geld (wechselseitiges Kreditsystem): Er wird von den Tauschteilnehmern je nach Bedarf in dem Moment geschaffen, in dem eine Leistung vergütet wird. Die Menge der im Umlauf befindlichen Realos wird also nicht zentral gesteuert (sie kann absichtlich nicht zentral gesteuert werden).

Ein Beispiel: Frau Huber hütet für 20 Realos die Kinder von Frau Meier. Beide Frauen hatten noch kein Guthaben auf ihren Verrechnungskonten. Frau Meier geht mit den 20 Realos ins Soll. Die 20 Realos, die nun Frau Huber gutgeschrieben werden, sind in diesem Moment neu entstanden. Wenn Frau Huber nun für 12 Realos in der Gärtnerei Gemüse einkauft, deren Verrechnungs­kontostand sich dadurch von -150 Realos auf -138 Realos verändert, dann sind in diesem Moment 12 Realos wieder aus dem Umlauf verschwunden.

Transparenz

Die Summe der Realo-Guthaben der Tauschgemeinschaft entsprechen zu jedem Zeitpunkt der Summe der insgesamt in Anspruch genommenen Realo-Kredite (Sollstände der Verrechnungs­konten).

Die Menge der maximal verfügbaren Realos ist jedoch begrenzt durch die Summe der Kredit­rahmen aller Verrechnungskonten. Dies kann nur dann geringfügig überschritten werden, wenn der Sicherheitspuffer zwischen dem Kreditrahmen und dem Gesamtwert der hinterlegten Anteilsscheine für die Umlaufsicherung benötigt wird.

Sowohl die maximal verfügbare Menge an Realos wie auch die aktuell im Umlauf befindliche Menge ist für die Mitglieder der Tauschgemeinschaft jederzeit einsehbar.

Umlaufsicherung

Damit das Geld als Tauschmittel stetig fließt und nicht gehortet wird, wird es mit einer regel­mäßigen Umlaufsicherungsgebühr belastet. Die Umlaufsicherungsgebühr für die Realos beträgt 1% pro Quartal. Das bedeutet, dass alle drei Monate vom Kontostand des Verrechnungskontos jedes Tauschteilnehmers 1% abgezogen wird. Die Umlaufsicherung wird sowohl auf Guthaben wie auf Sollstände angewandt.

Diese Gebühr verschwindet nicht aus dem System, sondern wird gemäß dem Beschluss der Mitgliederversammlung verwendet.

Durch die Umlaufsicherung verliert das Geld seinen Vorteil gegenüber Waren und Dienst­leistungen. Es unterliegt wie diese einem Alterungsprozess und verliert mit der Lagerung an Wert. Im Unterschied zur Inflationsrate ist die Höhe der Umlaufsicherungsgebühr von vornherein bekannt.

Will man die Umlaufsicherungsgebühr vermeiden, muss man Geld, das nicht benötigt wird, in langfristige Projekte anlegen, die möglichst zuverlässig in Zukunft stets den gleichen Ertrag liefern. Solche Projekte bezeichnen wir als zukunftsfähig.

Realos, die nicht benötigt werden, können zum Beispiel zinsfrei einem Unternehmen der Teil­habergemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Bietet die Teilhabergemeinschaft oder eine andere Tauschteilnehmerin Anteilsscheine zum Kauf an, können die Realos auch zum Kauf eines neuen Anteils verwendet werden.

Konvertierbarkeit

Der Realo ist nicht direkt in den Euro konvertierbar. Er kann jedoch in Anteilsscheine der Teil­habergemeinschaft konvertiert werden (soweit Anteilsscheine über das Ausgleichskonto der Teilhabergemeinschaft verfügbar sind), die dann wiederum im Euroraum verkauft werden können. Für stimmberechtigte Anteile ist hierfür jedoch die Zustimmung der Teilhaber­gemeinschaft erforderlich.

Verleihbarkeit

Realo-Beträge können zinsfrei verliehen werden. Der Darlehensgeber vermeidet dadurch die Zahlung der Umlaufsicherungsgebühr.

Jede Art von Bankentätigkeit auf Realo-Basis (z.B.: Sammeln von Einlagen, Weiterverleihen von geliehenen Realos, Berechnen von Zinsen auf verliehene Realos, Wechsel in Euro oder andere Tauschwährungen) sowie die Inanspruchnahme einer solchen Tätigkeit ist unzulässig.

Damit soll ein Abgleiten in die allgemein bekannten Probleme des Finanzsektors vermieden werden. Als Nebeneffekt fällt der Barter-Ring dadurch nicht unter die Aufsicht der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht).

Durchsetzbarkeit der Regeln

Die oben vorgeschlagenen Regeln schieben offenen bankartigen Aktivitäten mit dem Realo einen Riegel vor, und sollten versteckten Aktivitäten dieser Art in größerem Stil auch unterbinden. Denn es spielt sich in einer regionalen Gemeinschaft mit einem Einzugsgebiet von maximal 40 km. ab, wo viele der Aktuere sich kennen. Auf einer individuellen Ebene stimmt es dass die Regeln nicht effektiv durchgesetzt werden können – wobei bewusste Täuschung seitens einer KontoinhaberIn nötig wäre um sie zu hintergehen. Besagte KontoinhaberIn hat jedoch (a) den Verhaltenskodex beim Beitritt zur Tauschgemeinschaft unterschrieben; und (b) zwei persönlich-bekannte FürsprecherInnnen, die sie dann ggf. belügen müsste.

Praktisch jedes System kann mit ausreichender krimineller Absicht missbraucht oder umgangen werden – doch das aktuelle System sowohl verkörpert als auch fördert unethisches Verhalten in eklatantem Maße (Konzentrierung des Vermögens, Spekulation usw.) Da es theoretisch unmöglich ist ein Währungssytem zu konzipieren welches absolut wasserdicht ist, können Realos es auch nicht sein; dennoch sind sie meilenweit besser konzipiert als das hießige "Fiat money". Man muss sich nur daran erinnern dass Zinseszins mathematisch gesehen eine Exponentialfunktion ist um sich auf den Umgang mit Realos zu freuen!

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